Der Kampf um die französische Industrie – wo geht’s lang?
28 November 2025
Beitrag von Mark Diran Boehm, Chef und Gründer von bb&b.
Ich arbeite seit 35 Jahren in der Industrie und für die Industrie – zuerst in Deutschland, dann in Frankreich – in verschiedenen Jobs im Bereich Technologiemarketing. Die Position Frankreichs auf dem globalen Industrieschachbrett war für mich schon immer ein Thema, das mich besonders interessiert hat, so sehr, dass ich es zum Leitmotiv meines Unternehmens bb&b gemacht habe.
Doch jetzt, wo die Wirtschaft schwächelt und Gewissheiten wanken, sehe ich eine plötzliche Verbundenheit mit einem industriellen Erbe, das lange Zeit auf Distanz gehalten wurde. Man plädiert dafür, die französische Industrie zu „retten”, warnt vor dem Verlust der Souveränität und wirft den Behörden mangelndes Engagement vor – alles in einer Gestik des billigen wirtschaftlichen Patriotismus. Und wie so oft wendet man sich an den Staat, um das zu korrigieren, was über Jahrzehnte hinweg versäumt wurde. Aber wenn sich die Einstellung ändert, bleibt die Situation dennoch prekär.
Allerdings gibt es einen blinden Fleck in dieser Betrachtung: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit hängt nicht nur von Steuern und Abgaben ab, sondern vor allem auch von Marketing und Kommunikation:
Wie viele industrielle KMU in Frankreich haben ein echtes Marketingteam? Nicht genug.
Wie viele von ihnen haben ein einfaches, klares und schlüssiges Wertversprechen, das auf ein internationales Publikum zugeschnitten ist? Noch weniger.
Wie viele positionieren ihre Marke präzise und konsequent in einem sorgfältig ausgewählten Marktsegment? Praktisch keine.
Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel…
Unter diesen Umständen ist es schwierig, den Kampf auf einem globalisierten Markt zu gewinnen. Dabei verfügt Frankreich über fortschrittliche Technologien, qualifizierte Arbeitskräfte und eine lange Tradition der Weltoffenheit.
Wir müssen uns nüchtern an der Konkurrenz messen und beharrlich den Weg der Differenzierung beschreiten. Das ist das Thema. Es wird kein Hexenwerk sein, aber Fortschritt ist in Reichweite.